Telegraph: Mazedonien - Das unterschätzte europäische Land, das Ihre Gesundheit verbessern wird

Einen tollen Bericht über Mazedonien aus dem englischen Telegraph, mit dem Titel "Hiking in Macedonia - The underrated European country that's sure to improve your health" von Paul Bloomfield.

Übersetzung unter dem Bild.


Wandern in Mazedonien - Das unterschätzte europäische Land, das Ihre Gesundheit verbessern wird


Dicker husten? Laufende Nase? Schlechter Schlaf? Für eine schnelle und effektive Abhilfe, versuchen Sie es doch mal mit Mazedonien.

Ein Besuch in der Apotheke war noch nie so schön. Klar, niemand liebt es, "Paracetamol und  Aspirin" zu Fuß zu suchen. Aber auf den mit Wildblumen übersäten Hängen des Berges Pelister im Süden Mazedoniens wanderte ich durch Europas verlockendsten Apothekerladen im Freien.

Der schlängelnde Weg, der aus dem kleinen Dorf Nizepole kommt, ist mit zarten rosa Blüten von Zitronenthymian ausgekleidet, die Schlaflosigkeit lindern. Mischen Sie mit glitzernden Butterblumen, dottergelben Schlüsselblumen zwischen tupfigem Alpengras, einen Tee, der Schnupf- und Keuchhusten beruhigt. Pflücke eine Handvoll dicker, indigofarbener Beeren aus strauchigen Zwerg-Wacholdern, um einen unruhigen Bauch zu beruhigen. Und wenn Ihr Husten immer noch stark ist, probieren Sie die bewährte lokale Behandlung.

"Nimm ein paar grüne Molika-Tannenzapfen", riet mein Bergführer Jonce Ilievski. "Schneide sie und schichte sie mit Honig in ein Glas. Nach 40 Tagen haben Sie einen wohltuenden Hustensaft." Und wenn die Kräuter und Beeren dir noch nicht helfen, dann die unberührte Luft, seelenerhöhende Ausblicke und Blumenstriche - Pelisters rosa und lila Safran, die Flockenblume und Veilchen, Glockenblume und Alpenveilchen.


Ich war nicht in den Pelister Nationalpark aus gesundheitlichen Gründen gekommen. Ich testete eine neue Wanderung in der zerklüfteten Republik Mazedonien, deren Wege weitgehend unbekannt bleiben, während einstige Landsleute wie aus Slowenien die Wanderhorden anziehen. Es ist aber sicher nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert: Mazedoniens Referenzen als Seen- und Berg-Hotspot sind vorbildlich und werden durch faszinierende historische Relikte erweitert, die zu einer bedeutenden kulturellen Kreuzung passen.

Beeren und Wildkräuter sind hier nicht der einzige Geschmack, wie ich auf der Fahrt vom Flughafen Skopje bis zum Pelister erfahren habe. Beim Mittagessen in der Stobi Winery, die Früchte der feinen Böden und den 260 Tage im Jahr Sonnenschein verschmelzen: Cab Sav, Merlot, Riesling und ausgezeichnete Oaked Chardonnays, sowie ältere regionale Rebsorten.

Da war Rkaciteli, ein uraltes Weiß aus Georgien; Vraneč ("schwarzer Hengst"), ein traditioneller dunkler Wein; und der starke rote Kratošija, so alt, dass - so scherzte der örtliche Guru Gorki Balojani - "Alexander der Große ihn wahrscheinlich schon getrunken hat".

Ah, die Alex Frage. In der Schule wurde Ihnen wahrscheinlich beigebracht, dass der Serienbezwinger Griechisch war - doch im 4. Jahrhundert v. Chr. Gab es keine griechische Nation an sich. Nein, Alexander war Mazedonier; Die Frage ist, wo genau "Mazedonien" war.

Die heutigen Griechen bestehen darauf, dass sie die Erben sind und fordern, dass ihr Nachbar den Namen fallen lässt - eine Situation, die diesen Monat (Anm. Juni) mit der Unterzeichnung eines grenzüberschreitenden Abkommens wieder Schlagzeilen machte.

Unbestritten ist der Einfluss von Alexanders Vater Philip, der nicht nur das große Imperium des Eroberers, sondern auch eine Metropole nördlich der heutigen griechischen Grenze gründete. Die archäologische Stätte von Heraclea Lyncestis spiegelt das berühmte Erbe Philipps wider - er behauptete die Abstammung vom griechischen Halbgott Herakles, während seine Mutter Eurydike vom Stamm der Lyncestis unter dem Berg Pelister abstammte.

Göttliche Abstammung oder nein, sein Vermächtnis ist hier unvergesslich: ein Sammelsurium alter Ruinen, eine großartige antike Arena ("Die Akustik ist immer noch erstaunlich - uralter Dolby-Surround-Sound!", witzelte Gorki) und wunderschöne frühchristliche Mosaiken. Zu ihrer Blütezeit erreichte die Bevölkerung von Heraclea etwa 20.000 Bewohner, bevor sie durch ein Erdbeben im Jahre 518 zerstört wurde. Wie Gorki trocken bemerkte: "Mazedonien ist eine riesige archäologische Stätte - überall, wo man graben kann, entdeckt man Festungen, Städte, Gräber und Marmor."


Nach dem Beben rückte die Bevölkerung ein oder zwei Meilen nach Norden in das heutige Bitola, Mazedoniens kosmopolitische zweite Stadt, und mein erster Übernachtungs-Stop. Lange Zeit eine wichtige Zwischenstation auf der Via Egnatia, der Hauptstraße zwischen Thessaloniki und Rom, hat Bitola immer noch Spuren seines osmanischen Prunkes um die breite Širok Sokak ("breite Straße"), die immer noch die Kultur des "Sehens und Gesehen werdens" ist.

Obwohl der Einfluss des Islams heute weit weniger dominant ist, ist immer noch klar, was der verzauberte Dichter und Maler Edward Lear auf seiner Odyssee auf dem Balkan im Jahre 1848 meinte: "Eine prächtigere Stadt, die man sich kaum vorstellen kann, und die große Menge Zypressen und Platanen, die ihre zarte weiß-pinke Moschee in Gang setzen, ist wundervoll schön ... Interesse und Schönheit in Fülle, oh ihr Künstler!"

Lear genoss seine Reise nach Westen über den Pelister nicht ("seine monotonen Züge waren düster mit dunklen und abfallenden Wolken", meckerte er), aber er vergaß den Trick, nicht die Wege zu Fuß zu folgen. Mein Aufstieg an den Flanken des Gipfels war nicht nur mit Wildblumen und Kräutern garniert, sondern auch mit süßsüßen Walderdbeeren, Schmetterlingen wie Konfetti und "Pelister Eyes", einem Paar Alpenseen, an denen wir einen Berg voller Lunchpakete mampften.

Dieser Nachmittag war, wenn überhaupt, lohnender: Als wir einen französischen Armeeweg des Ersten Weltkrieges verfolgten, überquerten wir einen wilden, düsteren, wunderschönen Pass, um zum Prespa See hinabzusteigen. Erschrocken durch unsere Annäherung wurde ein Reh aus einem Stück weißer Asphodel aufgeschreckt, und durch ein dichtes Eichenholz suchten wir unseren Weg über schlammige Schlaglöcher, die von Wildschweinen gerodet worden waren. Bären, Luchse und Wölfe streifen auch durch diese Teile, wenn Sie Glück haben, können sie sie entdecken.

An diesem Abend betankten wir uns im charmanten Dorf Brajcino mit einem rustikalen, aber köstlichen Abendessen, das Variationen von bald vertrauten umfasste: eine flache "Pita" mit flockigem Filoteig gebacken, rote Paprika gefüllt und gebraten zu einem pikanten Ajvar, Feta wie Sirenje Käse (ein Drei-Mahlzeiten-Tag-Hauptstütze in Mazedonien) und der lokale Mondschein, Rakija - immer Rakija.


Am nächsten Tag tuckerten wir über den Prespa-See zu seiner größten Insel, Dutzende von weißen Pelikanen hoben sich ab, als wir uns näherten. Golem Grad ("Große Stadt") ist ein merkwürdiger Name für eine Insel, besonders eine so kompakte und schläfrige wie diese; einmal war es jedoch ein Zentrum des Imperiums - Sommerresidenz eines anderen Nationalhelden Mazedoniens, Zar Samoil, der hier 997 zum König gekrönt wurde.

Heute ist es ein stimmungsvoller Ort, um zwischen den Überresten byzantinischer Kirchen und Samoils Palast zu wandern - Schildkröten, Wasserschlangen und eine Kakophonie von Kormoranen, die in Guano-weissen Ästen schlafen kann man entdecken.

Von Prespa aus westwärts schlängelt sich die Straße über den Galičica-Berg hinauf zum Aussichtspunkt über dem Ohridsee, wo Lear schwärmt: "Von feineren Szenen als diesen kann man kaum träumen ... Hell, breit und lang liegt die große Wasserfläche."

Der historische Kern von Ohrid, an der nordöstlichen Küste des Sees, ist von typisch vergessenen Blöcken aus der kommunistischen Ära umgeben. Aber wie Heraclea Lyncestis war es ein wichtiger Zwischenstopp auf der Via Egnatia und wurde von Philipp von Makedonien im 4. Jahrhundert v. Chr. weiter aufgebaut.

Die Mauern der Festung auf dem Hügel von Zar Samoil ragen immer noch über die Altstadt, die auch ein römisches Amphitheater und die angeblich erste Universität Europas beherbergt, eine Klosterschule, die im Jahre 893 von St. Kliment, Mitschöpfer des kyrillischen Alphabets, gegründet wurde. Inmitten von Fresken bemalte byzantinische Kirchen und Häuser aus Stein, gepflasterte Gassen gesäumt von ansprechenden Restaurants, die schmackhafte Ohrid-Fische anbieten: "Die Forellen des Sees von Akhridha sind außergewöhnlich gut", rülpste Lear einst nach einem Verzehr.


Gorki und Jonce hatten die schwierigste Wanderherausforderung bis zuletzt gerettet: ein Versuch auf dem Korab, mit 2764 Metern der höchste Gipfel in Mazedonien und Albanien, der Gipfel teilt beide Länder. Die Fahrt zum Ausgangspunkt des Mavrovo-Nationalparks ist ein Abenteuer für sich und führt durch eine Reihe zunehmend dramatischer und klaustrophobischer Schluchten und endet mit der holprigen Route, die sich entlang des Radika-Tals bis zum Grenzposten bei Strezimir schlängelt.

Unsere Lunch Packungen waren mit Hühnchen, Salat, Brot und - natürlich - Sirenje-Käse gefüllt, wir stiegen durch den magischen, silbernen Birkenwald auf. Bald kamen wir auf steile Wiesen, wo eine Gruppe bellender Hunde warnte, die an Lears beunruhigende Beobachtung erinnerte, dass "große Ziegenherden unter der Bewachung von wilden Hunden durch das verwilderte Kraut wanderten".

Ein Wort von Jonce an den Hundebesitzer brachte uns bald zu einem wilderen Oberlauf, wo die lila Safran und Violetttöne auf dem Weg purpurne geäderte Marmorplatten widerspiegelten. Über einem breiten Sattel, wo Pferde weideten, als ihre albanischen Besitzer Kamille sammelten, erklommen wir einen Kamm, um mit dem Aussichtspreis belohnt zu werden: Ausblicke auf einen gezackten Kamm, der den ganzen westlichen Horizont überspannt, von der zerklüfteten, geneigten Platte waren wir vom Korab gebannt. Hier wurde unser Weg von steilen Schneezungen blockiert, deren Lawinenschutt uns schon Anfang Juni vor der Tollkühnheit einer Traverse warnte. Egal: Das Panorama war sensationell genug, um meinen Geschmack für hohes Drama zu stillen.


Am folgenden Abend führte mich Gorki durch die kürzlich verschönten Boulevards der Hauptstadt Skopje, vorbei an einer Phalanx kürzlich errichteter Statuen zu dem alten an den Osmanen erinnernde Basar.

Als wir uns in einen alten Khan (Karawanserei) vertieften, in dem sich heute ein charmantes traditionelles Restaurant befindet, sah ich die Nationalflagge flattern: eine stilisierte gelbe Sonne mit acht sich ausbreitenden Strahlen - ein Zeichen vielleicht, dass diese betörende Balkan-Ecke bereit ist aus dem Schatten ihrer mehr-touristischen Nachbarn aufzutauchen und wieder leuchtet. Und warum nicht? Wie Edward Lear erklärte: "Von vielen Tagen, die in vielen Ländern verstrichen sind, während ich in einer edlen Szenerie umherwandere, kann ich mich an nichts anderes erinnern, das reizender und eindrucksvoller ist als das."

QUELLE: Telegraph UK

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