Montag, 19. August 2013

Mit dem Motorrad um die Welt - Mazedonien

Der Herforster Alexander Conrad ist auf dem Motorrad gen Osten unterwegs. In seinem zweiten Reisebericht bringt er sein erstes Etappenziel Bulgarien hinter sich und erreicht Mazedonien, von wo aus einst Alexander der Große auszog, die Welt zu erobern. Dort erlebt er auch, dass Landwirtschaft nicht zwangsläufig 100 PS braucht.

Von Idilevo aus beschließe ich in südlicher Richtung durch Bulgarien zu fahren, um auch dieses Land, was ich im letzten Jahr nur im Schnelldurchgang durchquert hatte, nun besser kennen zu lernen. In Stara Zagora besuche ich ein Motorrad-Rocker-Treffen und komme mir doch sehr als Exot mit meinem Bike vor. Dennoch bleiben viele der „harten Kerle“ stehen und wollen denjenigen kennen lernen, dem dieses „Great Travell Bike“ gehört und so komme ich aus den Gesprächen über "Woher?", "Wohin?" und "Wie lange?" nicht mehr heraus. Neben jeder Menge guter Rock- & Heavy-Metal-Musik sind es diverse Spaß- und vor allem Trinkspiele, die das Publikum enorm anheizen. Mit Sven und Andreas lerne ich zwei weitere Deutsche kennen, die ebenfalls im Balkan unterwegs sind und wir amüsieren uns prächtig und verbringen gemeinsam ein klasse Wochenende.


Anschließend durchquere ich Bulgariens Süden, der viel Natur, Wald und Berge zu bieten hat und von daher sehr zum Motorradfahren und Campieren einlädt, was ich natürlich auch ausreichend nutze. So verbringe ich meine erste sehr ruhige "wild-camping-Nacht" im Dreiländereck Bulgarien, Mazedonien und Griechenland, merke allerdings, dass ich mich erst wieder hieran gewöhnen muss, da ich bei jedem noch so kleinen Geräusch in der Nacht wach werde und mich achtsam umschaue.


Mazedonien und seine Geschichte
Äußerst unproblematisch überquere ich in nur zehn Minuten die sehr ruhige Grenze zu Mazedonien und nachdem die Beamten mir auf Deutsch eine „Gute Fahrt“ wünschen, mache ich mich auf, das ehemalige Reich meines wohl Bekanntesten Namensgebers zu bereisen. Ein Staat, der noch viel kleiner ist als Belgien. Von daher ist es auch kein Wunder, dass ich es in einer gemütlichen Tagesfahrt schaffe, die 300 km und somit das gesamte Land zu durchqueren und noch eine Rundfahrt durch die Hauptstadt Skopje zu machen.

Viel zeugt noch von den einst prunkvollen Tagen als Makedonen und Griechen gemeinsam die Welt eroberten und der Nationalstolz ist unübersehbar, da wie in der Türkei auch hier überall im Land überdimensional große Fahnen wehen. Um 330 vor Christus einst ein Reich von unermesslicher Größe von Europa über Nordafrika bis nach Indien hinein, was „Alexander der Große“ eroberte, als er auf seinem 10 Jahre währenden Feldzuges nach Osten zuerst durch Türkei, den nahen Osten und Ägypten, Persien und anschließend Indien teilweise unterwarf. Im Norden des Landes gibt es sogar den „Alexander von Macedon“-Motorway, welchen ich mit meinem Bike durchfahre, als ich mich auf den Weg Richtung Serbien mache und merke, wie die Mazedonier auch heute noch ehrfürchtig zu ihrem einst größten Feldherren der Geschichte aufblicken.

Landwirtschaft mal anders
Auch meine diesjährige Reise habe ich unter das Motto „bike the ag-world“ gestellt, was so viel bedeuten soll, wie die Welt der Landwirtschaft und -technik während meiner Motorradreise zu entdecken. Und diese ist sehr vielfältig unterwegs und oft von sehr historischem Wert. So passiere ich unzählige Fuhrwerke, die nur von einem Esel oder Maultieren gezogen werden und  auf welchen ganze Familien in mühevoller Handarbeit ihr Heu nach Hause transportieren.

Alle sind überaus freundlich, wenn ich mit dem Motorrad anhalte und mich für sie interessiere, obwohl die Kommunikation in den allermeisten Fällen lediglich bei Zeichensprache bleibt, da niemand Englisch oder gar Deutsch beherrscht. Die in Deutschland gerade in der jüngeren Generation stark verbreite Ansicht, dass Landwirtschaft erst von 100 PS an aufwärts beginnt, habe ich ja bereits auf meinen letzten Reisen abgelegt, allerdings bin ich immer wieder sehr beeindruckt, wie diese Menschen ihr sehr anstrengendes und einfaches Leben meistern und dabei den Mut nicht verlieren und eine immense Fröhlichkeit an den Tag legen. So freue ich mich auf weitere interessante Begegnungen, wenn ich in den nächsten Wochen meinen Kurs nach Nord-Osten einschlagen werde in Richtung Rumänien und anschließend weiter in die Ukraine.

Fotos und Text: Alexander Conrad